Sonntag, 7. Oktober 2012

Tante Olga erzählt

Olga in Masuren, ca. 1942

Ich stelle mir schon sehr lange vor, wieeine elf köpfige Familie in so einem kleinen Haus leben konnten,denn es lebte, nachdem die Großeltern verstorben waren, auch noch Onkel Gustaf, deiner Omas Bruder bei uns. Ja, ja, ja, das ist mein Geburtshaus, nun haben sie es endlich schön gemacht, neues Dach und einen neuen Anstrich.
2012 Hof Urbanowicz auf ehemaligem Hof Bylda
Ich habe eure Berichte sehr offt gelesen, ich sehe mich Knirps, mit meinen grossen Geschwistern im Garten vor dem Wohnzimmerfenster liegen und unsere Mutter spielte auf ihrem Harmonium bei offenem Fenster. Offt waren Marta und Liesbeth dabei.
vor 1945: Frieda Gorski (verwitwete Sczech, geb. von Schwydersky) und Amalie Bylda

DerTeich hinter dem Stall ist auch grösser geworden und der Stall um die Hälfte kleiner. Was hatten wir Kinder für einen Spass auf dem Teich,vor allem im Winter, ich habe noch eine empfintliche Narbe an meinem linken Fussballen, bin im Teich in eine Scherbe gereten.


1980 Hof Urbanowicz auf ehemaligem Hof Bylda (Foto vermutlich von Franz Bylda)


Sehr, sehr viel später ist Tante Olga dann mit Ehemann Heinz mit einem eigenen Schiff um die Welt gefahren. Das Stadt Magazin Castrop-Rauxel Hagen Iserlohn Lünen Witten berichtet:
Heinz und Olga auf großer Fahrt

Weiße Sandstrände eingerahmt von grünen Palmenwäldern, flammende Sonnenuntergänge, das Rauschen der Wellen und immer wieder Wasser, so weit das Auge reicht: Die Lüner Olga und Heinz Kohlberg haben ihren großen Traum von der Freiheit gelebt! Doch auf ihrer zwei Jahrzehnte währenden Weltreise lernten sie auch die Schattenseiten des Lebens auf den sieben Weltmeeren kennen.

Von der großen weiten Welt hatten ›Oli und Heinz‹ schon lange geträumt. Doch es vergingen noch zehn Jahre, bis das abenteuerlustige Ehepaar tatsächlich in See stechen konnte: Zunächst musste ihre 14 m Stahl-yacht in Eigenarbeit fertiggestellt werden. 1991 war es dann endlich so weit: Die ›Tosimoh‹ (der Name leitet sich ab aus den Vornamen der Familienmitglieder: Thomas, Simone, Olga und Heinz) hielt Kurs auf nördliche Gefilde. Dänemark, Schweden und Norwegen standen auf dem Programm. Dann ging es durch den Nord-Ostseekanal und die Biscaya ins Mittelmeer bis nach Gibraltar, von wo aus die beiden über den großen Teich in die Karibik segeln wollten. »Doch als wir die vielen Yachten sahen, die alle dasselbe vorhatten, verging uns die Lust.« Kurzerhand machte das Ehepaar kehrt und segelte zurück durchs Mittelmeer ins Rote Meer.
Guraidhoo, eine zu den Malediven gehörige malerische Fischerinsel

In stockfinsterer Nacht passierte es: »Wir wurden von einem plötzlichen Ruck geweckt!« Die Tosimoh war, vermutlich durch eine starke Strömung, auf ein Riff getrieben. Olga und Heinz erinnern sich noch genau: »Wir waren manövrierunfähig und befanden uns mitten in einem gefährlichen Korallenkessel.« In mehrstündiger Schwerstarbeit gelang es dem Skipper und seiner Frau, mit Hilfe von vier Ankern und einem Beiboot, das Schiff in tiefere Gewässer zu bewegen. Doch was nun? Motor und Ruder hatten den Geist aufgegeben, Hilfe war nicht in Sicht. »In zehn Tauchgängen habe ich das 3,5 Zentner schwere Ruder demontiert und an Bord geschafft«, erzählt Heinz. Der gelernte Stahlmeister fertigte ein Notruder aus einem Bodenbrett. Dieses Unterfangen dauerte fünf Tage. Dann mussten die schicksalsgeprüften Segler noch warten, bis der Wind günstig stand, damit die Reise ohne Motor durch die Korallenriffe fortgesetzt werden konnte. Über Amateurfunk hatten sie erfahren, dass der nächste Hafen für die Reparatur in ›Jeddah‹ lag. Aber hier wartete schon das nächste Problem: Die Stadt Jeddah befindet sich im streng muslimischen Saudi-Arabien, welches für Touristen verschlossen ist.
Die beiden Weltreisenden erlebten einen regelrechten Kulturschock. »Wir wurden ständig überwacht, duften das Schiff zunächst nicht verlassen.« Für die Zeit der Reparatur stellte ihnen der deutsche Konsul immerhin ein Haus zur Verfügung. Doch besonders Olga konnte sich an die fremde Lebensweise nur schwer gewöhnen: »Zu jeder Zeit musste ich neben einer Kopfbedeckung auch eine traditionelle Abaya tragen. Auf der Baustelle durfte ich mich nicht blicken lassen, denn hier arbeiteten ja Männer. Und wenn ich in die Bank, zum Einkaufen oder ins Internet-Café gehen wollte, durfte ich als Frau nur die gesonderten Bereiche betreten.« Beide waren erleichtert, als der Törn durchs Rote Meer fortgesetzt werden konnte.
Pittureske Felsformationen in Thailand

Doch das nächste ›Abenteuer‹ ließ nicht lange auf sich warten. Um das piratenverseuchte Gebiet im Golf von Aden zu durchqueren, hatten sich die Lüner mit drei weiteren Booten zusammengetan. »Ursprünglich wollten wir offiziellen Geleitschutz anfordern. Die Antwort des Hafenmeisters: ›Ich gebe euch gerne ein paar Männer, kann aber nicht garantieren, dass die nicht auch versuchen, euch auszurauben!‹« In einer Nacht- und Nebelaktion schlichen sich die vier Yachten von dannen – vergeblich: »An einer berüchtigten Stelle, 230 Seemeilen südöstlich von Aden, sahen wir plötzlich zwei Speedboote mit hoher Bugwelle auf uns zurasen.« Die Segler hielten sich dicht zusammen, gaben mit Signalpistolen Warnschüsse ab und sendeten einen internationalen Notruf ab. »Es war noch gar nichts passiert, da hatte man unsere Kinder in Deutschland schon informiert, dass wir von Piraten angegriffen wurden.« Zum Glück gelang es den Besatzungen, die Seeräuber in die Flucht zu schlagen – so dachten sie jedenfalls. Am Horizont näherte sich nun ein größeres weißes Motorboot aus Richtung Aden. »Plötzlich waren die Speedboote wieder da, sammelten sich um das ›Mutterschiff‹ und starteten einen zweiten Angriff. Nur mit vereinten Kräften – Schusswechsel fanden statt und Leuchtraketen wurden abgeschossen – gelang es uns, die Angreifer abzuwehren.«
Die Tosimoh im Sonnenuntergang

Ein ›kleiner‹ Schreck fuhr den Deutschen an der Küste Omans in die Glieder, als sie ein Motorboot mit vermummten Gestalten sichteten, das direkt auf sie zuhielt. »Nach dem letzten Zwischenfall vermuteten wir das Schlimmste und gaben Gas.« Was Olga und Heinz nicht wussten: Sohn Thomas hatte von Deutschland aus alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinen Eltern zu helfen, und das Motorboot brachte den ersehnten Militärschutz, der die Deutschen sicher zum Hafen geleiten sollte. In Mukalla im angrenzenden Jemen wollten sie sich für die anstehende Etappe über den indischen Ozean   rüsten, die je nach Wetterlage Wochen, aber auch Monate dauern konnte. »Wir hatten uns so richtig ›vollgebunkert‹ und wollten gerade ablegen, als sich von allen Seiten Fischer in Einbaumbooten näherten. Zuerst dachten wir, dass man uns wieder ausrauben will. Aber schnell wurde klar: Diese Menschen hatten einfach nur Hunger.« Kurzerhand hieften Olga und Heinz einen Großteil ihrer Lebensmittel in Plastiksäcken über Bord. »Beim Wegsegeln konnten wir noch sehen, wir sich die Fischer in der Ferne über ihr ›Festmahl‹ hermachten.«
20 Jahre um die Welt

Im Indischen Ozean begann der angenehme Teil der Reise – und zwar der mit den Palmen, den Sandstränden und den Sonnenuntergängen. Das Seglerpaar besuchte die Seychellen und die Komoren, Madagaskar, Kenia, Tansania, Sansibar, die Malediven und viele andere ›Traumziele‹, schlemmte Palmenherzen und Kokoskrabben, beobachtete Wale und Riesenmantas, erlebte paradiesische Zustände, aber leider auch bittere Armut. »Chagos erschien uns wie das letzte Paradies überhaupt, hier verbrachten wir drei Monate, mit Fisch satt und traumhaften Tauchgängen.« Im Dezember nahmen Kohlbergs Kurs auf Malaysia. Auf der Insel Langkawi wollten sie in Ruhe das Weihnachtsfest verbringen. Doch das Schicksal meinte es anders: Am 26.12.2004 rollte der schlimmste Tsunami in der Geschichte über Südostasien, den indischen Ozean und Sri Lanka hinweg. Die beiden Marinas auf Langkawi wurden vollständig zerstört, viele Yachten sanken. »Unser Stahlschiff hat uns das Leben gerettet. Wir hatten riesiges Glück im Unglück!«
Die Tosimoh, wenngleich schwer beschädigt, konnte in Thailand wiederhergestellt werden. Von dort segelte das Paar noch nach Sri Lanka, ehe es die lange Heimreise antrat. Im Frühjahr 2009 erreichten Kohlbergs die Türkei, wo das von den Winden gebeutelte Schiff nun schon seit einem Jahr friedlich im Hafen liegt. Und ›Oli und Heinz‹? »Für große Segeltörns fehlt uns nach zwanzig Jahren voller Abenteuer die Kraft. Gerne besuchen wir aber unser Boot in der Türkei. Leider dürfen wir immer nur drei Monate bleiben, bevor unser Visum abläuft. Dann fliegen wir zurück nach Brambauer und die Tosimoh bleibt, wo es ihr am besten gefällt: in warmen Gewässern.«




Auch Bobby Schenk berichtet auf seiner Homepage von Olga und Heinz:
  Weinkelterei auf der TOSIMOH(11)
Eine abenteuerliche 16-Jahres-Reise und fünf Liter Reiswein

Skipper Heinz und Bordfrau Oli begannen vor 25 Jahren von der Großen Reise zu träumen. Ihre hübsche 14 m Stahlyacht TOSIMOH  bauten sie eigenhändig in 10 Jahren harter Arbeit.
1991 hatten sie es endlich geschafft und starteten ihre lang ersehnte Reise in nördliche Gefilde nach Dänemark, Schweden und Norwegen, bis es sie weiter in den Süden durch den Engl. Kanal und die Biscaya ins Mittelmeer zog, um sich von Gibraltar bis Zypern gründlich umzuschauen. Dann lockte die Karibik und auf gings zurück nach Gibraltar um von dort über den Atlantik zu segeln.
Doch was sie plötzlich da entdeckten, die Menge von Fahrtenyachten, die schon allein mit der Ralley über den grossen Teich wollten und mindestens genauso viele, die in eigner Verantwortung ihre Abenteuer auf dem Trip über den Ozean Richtung Westen vorbereiteten. Da verging Oli und Heinz die Lust. Nein, so hatten sich die beiden Dortmunder ein Leben auf den Sieben Weltmeeren nicht vorgestellt. Sie drehten enttäuscht um und segelten zurück durchs "Med" ins Rote Meer.
Als sie mühsam die Hälfte der Reise hinter sich hatten, passierte es. In stockdunkler Nacht, als vermutlich durch eine starke Strömung der Anker rutschte, lief die TOSIMOH auf ein Riff. Es war so finster, dass sie nicht wussten in welche Richtung sie mit dem inzwischen angeworfenen Motor die Yacht ins freie Wasser ziehen sollten, bis auch noch zu allem Übel der Motor seinen Geist aufgab. Am frühen Morgen entdeckten sie das Desaster, die Welle und das Ruder waren verbogen, sie saßen auf einem Riff, waren manövrierunfähig und keine Menschenseele weit und breit. Eine schier aussichtslose Situation! Heinz liess das Dinghi zu Wasser und brachte einen zweiten Anker aus und konnte sich so allmählich, indem er das Manöver mehrmals wiederholte auf einen sicheren Ankerplatz verholen. Jetzt kam dem Stahlmeister sein Beruf zu Gute und er fertigte aus einem Bodenbrett aus Alu ein Notruder an. Oli hatte inzwischen einen Notruf abgegeben um rauszufinden, wo der nächste geeignete Hafen für die notwendigen Reparaturen sei. Eine Stimme mischte sich in den Funkverkehr und rief nur ein Wort "Jeddah" .Man hat nie erfahren, wer den geeigneten Platz ausgesucht hat. Allerdings liegt Jeddah in Saudi-Arabien, einem Land, das für Touristen und Yachten verschlossen ist.
Die Segelei im Roten Meer ist wegen der widrigen Winde, der kurzen, steilen Welle, dem Schiffsverkehr und der Suche nach Ankerplätzen in dieser riffverseuchten Gegend ohnehin nicht gerade einfach und das auch noch ohne Maschine. Aber irgendwie schafften es die beiden in die Nähe von Jeddah zu kommen. Die dortigen Behörden, von dem Notfall benachrichtigt, waren sehr freundlich und hilfsbereit. Sie schleppten die TOSIMOH  in den Hafen, wo diese in 3 Wochen repariert werden konnte. Oli musste unter Deck bleiben und auch Heinz durfte das Schiff nicht verlassen. Solange, wie das Schiff an Land stand, musste das Ehepaar ausziehen und wurde vom deutschen Konsul aufgenommen. Nachdem die Reparatur zufriedenstellend erledigt war, konnte der Törn durchs Rote Meer fortgesetzt werden.
Doch nicht genug der Probleme, das nächste wartete schon im Indik. An der berühmt, berüchtigten Stelle im Golf von Aden zwischen 46 Grad E und 49 Grad E, 230 sm südöstlich von Aden warteten schon die Piraten. Bald war die TOSIMOH  von Speedbooten umzingelt. Glücklicherweise fuhren sie im Konvoy mit zwei weiteren Yachten, die mutig sofort zu Hilfe eilten. Die Seglerinnen hatten sich als Männer verkleidet, um die Angreifer zu beeindrucken. Es wurde ein Notruf abgegeben. Schusswechsel fanden statt und Leuchtraketen wurden abgeschossen. Als plötzlich ein größeres Motorboot erschien, atmeten die Segler auf und wähnten sich gerettet. Doch das Motorboot entpuppte sich als Mutterschiff der Piraten. Als die Yachties über Funk die Nachricht erhielten, dass zwei Schiffe aus der Berufsschifffahrt auf dem Weg waren, um ihnen zu Hilfe zu eilen und die drei Yachten sich weiterhin vehement verteidigten, drehten die Piraten ab und suchten das Weite.
Der nächste Schreck fuhr Oli und Heinz in die Glieder, als sie auf die Küste Omans zufuhren. Plötzlich näherte sich ein Motorboot mit mehreren vermummten Gestallten an Bord und nahm Kurs auf die TOSIMOH. Doch bald konnten Oli und Heinz aufatmen, als sich herausstellte, dass es sich bei der Besatzung des Motorbootes um Polizeischutz handelte, den man für sie aus dem Hafen Mukalla geschickt hatte und der sie sicher auf einen Liegeplatz begleitete.
Dann folgte eine vergnügliche Zeit für das deutsche Seglerpaar. Sie tummelten sich im Indik, besuchten die Seyschellen, Komoren, Kenia, Tansania, Chagos und die Malediven bis sie in die kleine hübsche Marina nach Telaga auf Langkawi/Malaysia kamen um hier in aller Ruhe das Weihnachtsfest zu verbringen.
So dachten sie, doch das Schicksal hatte sich bereits eine andere Bösartigkeit ausgedacht. Es war der 26. Dezember 2004 als eine der schlimmsten Katastrophen in der Weltgeschichte über Südostasien, einige Inseln im Indischen Ozean und Sri Lanka hereinbrach und sich der Tsunami mit einer bisher nie gekannten Zerstörungswut einen Weg durch die schmale Malacca-Strasse suchte und die beiden Marinas Rebak und Telaga Park auf der Insel Langkawi/Malaysien total zerstörte. Jeder, der etwas von der Seefahrt versteht, hätte Kopf und Kragen gewettet, dass niemals eine Welle in diese überaus geschützten, sicheren Marinas eindringen könnte. Es war auch nicht die Welle, es war die Strömung, die in Sekundenschnelle die großen schweren Pfähle, sowie die Stege rausriss und mitsamt den Yachten durchwirbelte wie in einer Waschmaschine. Die  TOSIMOH wurde mit dem ganzen Durcheinander durch die Einfahrt den schmalen Kanal nur Zentimeter an den Felsen und Untiefen vorbei in die Bucht gespült und anschließend wieder zurück. Oli und Heinz waren sofort an Deck gesprungen und ehe sie Zeit hatten, darüber nachzudenken, gab es alle Händevoll zu tun, andere Schiffe und alles was an Gerümpel rumschwamm wegzudrücken. Oli warf sich todesmutig einem Bugspriet entgegen, der drohte das Fenster einzudrücken und im gleichen Moment musste sie sich vor Stegtrümmern schützen, die über das Schiff flogen. Heinz hatte gleich mehrere Aufgaben, nicht nur von einer Seite auf die andere zu springen um seine schöne Yacht vor Schäden zu bewahren, viel mehr sorgte er sich um Oli, die er versuchte in die Kajüte zu drängen, weil sie sich immer wieder engagiert in gefährliche Situationen begab um ihr Schiff zu retten. Als der Spuck vorüber war, glich die Marina einem Trümmerhaufen. Die TOSIMOH  war schwer beschädigt. 
Sie wurde in Thailand in über 1 Jahr wiederhergestellt und sieht heute aus wie neu. Allerdings: Der Skipper hatte sich über einige Handwerker und ihre Arbeitsweise so aufgeregt, dass er mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Glücklicherweise lieferten die Doktores eine bessere Arbeit ab, sodass Heinz heute wieder genesen ist. 
Obwohl vom Gott der Meere schwer gebeutelt, lässt sich das tapfere Ehepaar nicht entmutigen, ist immer gut gelaunt und sieht positiv weiteren Segeltörns entgegen.

 














Aber jetzt zurück zum Rezept für ein besseres, vor allem fröhlicheres  Leben. Dieses erhielt Oli von Chris, SY HARMONY, 2004 im Indischen Ozean, und zwar  auf dem Salomon Atoll des Chagos Archipels.
Im Chagos Archipel treffen sich nämlich die Yachties, kommend von Südafrika oder Südostasien um einige Monate auf den unbewohnten Inseln zu verbringen. Versorgung gibt es dort keine, so hilft man sich gegenseitig. Der ein ist Fachmann für Maschinen, der andere Spezialist für Computer. Die geschickten Angler bringen Fische für das gemeinsame Essen, während die Damen leckeres Brot backen und neue SalatKreationen aus noch vorhandenen Konserven zaubern. 
Einfallsreichtum und Erfindergeist ist gefragt, so regte Chris Oli zur Weinzubereitung an, denn Wein ist in Südostasien, wo die meisten Yachten, die Chagos anlaufen, herkommen, nahezu unerschwinglich:

Zutaten 1kg Zucker
1/2 l Reis
1/4 l Rosinen
1 El Hefe
1 Tasse Tee (1 Teebeutel auf 1 Tasse)
Wasser

Zubereitung
Zucker in heissem Wasser lösen. Anschließend mit kaltem Wasser auffüllen. Wenn die Flüssigkeit abgekühlt ist, Reis, Rosinen, Tee und Hefe zugeben. Den Ansatz täglich häufig umrühren. Wenn keine Blasen mehr aufsteigen, ca. nach 6 -8 Tagen (je nach Temperatur) in geschlossene Behälter umfüllen. Weitere 6 - 8 Tage stehen lassen und in Flaschen abfüllen. Häufig setzt sich dann trotzdem eine weisse Substanz am Boden ab. Dann muss nochmals umgefüllt werden.
Alle zur Weinbereitung benötigten Gefäße müssen peinlichst gesäubert sein. 




Montag, 10. September 2012

Onkel Ernst klärt Haus Bylda Diskussion

Die Diskussion um das Haus Bylda ging in Mainz an Wolfgangs Geburtstagsfeier weiter.
Martin war sich sicher, die heutige Küche der Urbanowicz Familie war früher die Bylda Küche. 
Siggi telefonierte nun mit Onkel Ernst, Kurzprotokoll:

"Was das Haus der Byldas angeht, so liegst Du absolut falsch. Ich habe gerade mit Ernst telefoniert. Das Haus, das wir 2003  fotografiert haben, ist 100% das Bylda Haus.
 
Es handelt sich um ein Siedlungshaus, dass in der 20er Jahren gebaut wurde. Das gleiche Haus hatten Eppler, Klatt und Matern, nur die Höfe waren unterschiedlich groß.
Stall und Scheune waren abgebrannt und unser Opa August Bylda hat viele neue Schuppen gebaut und ständig erweitert.
Alle Byldas sind in diesem Haus groß geworden. Die Kinder haben teilweise zu zweit und dritt in einem Bett geschlafen und in einem Zimmer standen wiederum mehrere Betten. Auch auf dem Speicher war neben der Räucherkammer eine Stube ausgebaut. In dem kleinen Wohnzimmer haben unsere Eltern ihre Hochzeit gefeiert.
Der Brunnen von meinem Foto ist original so gewesen.
Kaum zu glauben dass man früher so gelebt hat, wir sind eben zu verwöhnt."

Bleibt die Frage, welches Haus ist "Heimatbuch des Kreis Lyck" abgebildet ist.


Sonntag, 9. September 2012

Szarejki Geschichte


Tatarenüberfall

Immer wieder wurden gerade von den Bewohnern des Grenzgebietes größte Opfer an Gut und Blut gefordert. Anfang des 17. Jahrhunderts spielte sich der schwedisch-polnische Krieg auf masurischer Erde ab und brachte die furchtbaren Tatareneinfälle mit, die von einer Grausamkeit ohnegleichen gewesen sein müssen, so daß die Tatarenangst noch lange wie ein Alpdruck die Gemüter der Menschen belastete und sich in ihren Sagen und Märchen widerspiegelte. Im Gefolge der Kriege kam die Pest, es kamen Viehseuchen, Unwetterkatastrophen, ja, den Plagen Ägyptens gleich traten neben den Verwüstungen durch Ratten und Mäuse im Jahre 1711 Heuschreckenschwärme auf, eine für diese Breiten ungewöhnliche Erscheinung, und in einer Fülle, daß, wie es in einem Bericht heißt, „die Sonne vor ihnen verdunkelt wurde und man die Erde für ihnen nicht mehr hat sehen können". Was Krieg und Pest verschont hatten, rafften dann die folgenden Hungersnöte dahin.ostpreussen-info.de


Im folgenden aus: 
Reinhold Weber
 "Die Landgemeinden des Kreises Lyck"
Verlag Dieter Broschat 
Hohenwestedt
 
Sareiken (bis 1938 Sareyken), Freigut  

1660 = Straßendorf
1900 = geschlossene, gereihte Hofgruppe, 3 Abbauten
Amtsbezirk:             Lyck-Land
Kirchspiel:               Lyck
Postanstalt:              Sareiken (Sareyken)
Flächengröße:          258 ha
Einwohnerzahl:       1818 = 36, 1. Dez. 1885 = 112, 1939 = 159.

Land- und forstwirtschaftliche Betriebe:
bis 5 ha = 5,
von 5-10 ha = 5,
von 10-20 ha = 5,
von 20-100 ha = 7

Laut Statistik von 1932 besaßen:
                1. W. Hartmann                       50 ha
                2. Gottfried Jorzik                   26 ha
3. A. Koschorrek                     37 ha


Berufszugehörigkeit:
a) zur Wirtschaftsabteilung:    
                                Land- u. Forstwirtschaft          =              122
                                Industrie und Handwerk         =              15
                                Handel und Verkehr                =              1

b) nach der Stellung im Beruf:               
                                Selbständige                            =              55
                                Mithelf. Familienangeh.          =              40
                                Beamte und Angestellte           =              5
                                Arbeiter                                   =              43

Ergebnis der Volksabstimmung am 11. Juli 1920: 82 stimmten für Deutschland, nur 2 für Polen.
Letzter Bürgermeister: Jakob Epler.


Aus Geschichte, Wirtschaft und Kultur, Flucht/Vertreibung (1945)

Bereits zur Ordenszeit erhielten von Bernhard von Balzhofen, Oberster Spittler und Komtur zu Brandenburg, die „lieben und getreuen Jacob, Pawel, Frydel und Androß, Gebrüder. 20 Huben zu Magdeburgischem Rechte frei von Zins und gebäuerlicher Arbeit, davon sollen sie einen redlichen Dienst mit Hengst und Harnisch nach des Landes Gewohnheit zu allen Geschreyen, Heerfahrten, Landwehren und Reysen" stellen, dazu kam noch das „Burgenschar­werk": Die Abgaben waren jeweils zu Martini jährlich auf „ein Crampfund Wachs (467 gr.) und einen cöllmischen Pfennig oder an dessen statt fünf preußische Pfennige, sowie 1 Scheffel Weizen und 1 Scheffel Korn (Roggen) je Pflugkorn". Sie erhielten auch „freye Fischerei mit kleinem Gezeuge zu ihres Tisches Nothdurft und nicht zu verkaufen"; sie durften auch Bienen halten, den Honig sollten sie aber an die Herrschaft gegen Bezahlung abliefern. (Diese Handfe­ste ist anscheinend verloren gegangen, sie wurde von Königsberg am 12. Marty 1556 erneuert.) (Ostpr. Fol. 261, S. 1639 ff)

1539 sind 12 Oratzen (Pflüger) aufgeführt (Ostpr.Fol. 911 a/17) und 1550 ist 1 „Pflügerdienst" genannt (Ostpr.Fol. 119, S. 90); „Schereycken, Eyn Dienst".

Über die Schäden beim Tatareneinfall berichtet Obrist von Auer (Kwalo a.a.O.) fürSareyken wie folgt:
Schareicken (Sareyken) 12 Huben.
1 Hube der Elste, Moisis Janits, ist nicht abge­brandt, 1 Dienst Jung weggenommen, hat noch 1 Pferd, 5 Stück Jungvieh.
3/4 Huben Chri­stoph Jannoits, ist in Grundt abgebrandt, 1 Sohn weggenommen, hat noch 1 Ochs und 2 Kälber.
1 1/4 Huben Jedam Woitkoits, ist nicht abgebrandt, 2 Söhne, 2 Töchter genommen, hat noch 10 Stück Rindvieh.
1/4 Huben Jan Woißeßzig, ist in Grundt abgebrandt, 1 Magd genommen. hat noch 4 Stück Vieh.
1 Hube Jacob Jedambzig, ist gantz abgebrandt.
3/4 Huben Pawell Marzinnoits, ist ganz abgebrandt, sein Weib und ihre Mutter genommen, die beiden Kinder„ sie verlassen, seien Hungers wegen verstorben, hat kein Vieh und kein Pferd.
3/4 Huben Lecemung, ist nicht abgebrandt, 1 Sohn, 1 Tochter weggenommen, hat noch 1 Ochsen-
3/4 Huben Koßorreck, ist nicht abgebrandt, 1 Dienst Magd weggenommen. Ist über Winter
beseet, alles Viehe und Pferde wegk bis uff 1 Pferd und 23 Stück Viehe.
Seindt in allem in diesem Dorf 17 Personen weggetrieben und 2 Kinder vor Hunger gestorben".


„Beritten" ist das „Königliche Bauerndorf Sareiken" am 24. Oktober 1716 von der königli­chen Kommission König Friedrich Wilhelms 1. im Zuge der „Großen Bestandsaufnahme".
Im Dorfe wohnen 8 Scharwerksbauern. Der „Wildnisbereiter" hat 4 Hufen, 10 Morgen, während die Bauern 14 Hufen, 14 Morgen bewirtschaften.
Wald ist nicht vorhanden, Wiesen liegen in den 3 Feldern. Von 10 Hufen ist 1 „Wiebrantze" (Landwehrmann) zu stellen. Je Bauer hat die Kommission festgestellt: 1 Kuh, 2 Ochsen, 2 Pferde und 4 Schafe. Geerntet werden Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Erbsen und Leinsaat. Vom Gut Sareyken sind nur 15 Morgen hier im Bericht aufgeführt, diese werden vom Gut Malleczewen bewirtschaftet.



Ein Dithmarscher in Masuren

Der Masurenhof bei Szarejki ist für mich ein wunderschöner Ort. Ich verbinde damit wohlfühlen, entspannen, sehr leckere Küche "wie bei Muttern" und genießen der Natur. Ich wollte bei meiner Reise durch Polen eigentlich nicht solange in Szarejki bleiben - habe mich aber dann hier so wohl gefühlt dass ich bis zum allerletzten Urlaubstag geblieben bin.

 Hier einige Beiträge zur sehr wechselhaften Geschichte des Masurenhofes.


Am 6. Februar 2004 verunglückte der 1968 im Dithmarschen geborene junge deutsche Inhaber Jochen Elsner bei einem Verkehrsunfall im Kreis Lyck tödlich. Seine Ehefrau und ihre Eltern führen diesen Hof seitdem weiter.


Jochen Elsner (Foto Masurenhof Szarejki)


Aus der "Preußische Allgemeine Zeitung" vom 3. April 2004
Jochen Elsner gestorben – Anfang
Februar 2004 ist der aus Schleswig-
Holstein stammende 35jährige Jochen
Elsner in Ostpreußen durch einen
Verkehrsunfall schuldlos tödlich
verunglückt. Er war Eigentümer des
Masurenhofes in Sareiken, Kreis
Lyck, der von vielen Landsleuten anläßlich
von Reisen in die Heimat
aufgesucht wurde. Jochen Elsner
hinterläßt seine 27jährige Witwe
Marta mit zwei kleinen Kindern.
Wie man hörte, will Marta Elsner
den Masurenhof weiterführen. Die
Kreisgemeinschaft Lyck ist der Bruderhilfe
der Landsmannschaft Ostpreußen
für die gewährte finanzielle
Unterstützung dankbar.

Siehe: Urlaub für Träumer und Aktive

Und die vielen begeisterten Einträge im Gästebuch







Auf der Bunelka


Vermutlich 1941 auf der Bunelka mit Hedwig und Gertrud Bylda


Ernst Gorski auf der Bunelka 2004
Auf  dem westlich von Elk gelegenen Friedhof wurden 10 deutsche und 63 russische Soldaten bestattet, die im September 1914 gefallen sind. Außerdem noch 13 deutsche Gefallene aus der Winterschlacht in Masuren im Februar 1915. 1945 sind noch gefallene Wehrmachtsangehörige bestattet worden, deren Zahl nicht bekannt ist.


2012: Aufstieg zur Bunelka

Der Weg zur Bunelka ist zwar von der Hauptstraße gut beschildert, auf dem Feldweg muss man aber ganz genau auf das Schild, versteckt zwischen Ästen achten. Es gibt nur einen Autoparkplatz.

2012 auf der Bunelka

Lyck - Ehrenmal Bunelka
Postkarte abgeschickt am 07.07.1940
Lyck - Blick auf die Bunelka 1945
2012 Aussicht von der Bunelka